Ansätze der Klimadiplomatie auf dem Prüfstand

Wie sieht Klimadiplomatie in der Praxis aus? Welchen Mehrwert bietet sie? Und welchen Herausforderungen kann man am besten mit Hilfe von Klimadiplomatie begegnen? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, lud das Auswärtige Amt, unterstützt von adelphi, Vertreter internationaler Institutionen wie der EU, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und der Vereinten Nationen (UN) sowie Repräsentanten aus über 30 Ländern am 10. und 11. Oktober zu einer zweitägigen Konferenz mit dem Titel “Climate Diplomacy in Perspective – From Early Warning to Early Action” ein.

In Arbeitsgruppen zu Wasser-Diplomatie, Ernährungssicherheit und Küstenstabilität bildeten sich gemeinsame Themen und Fragestellungen heraus: Der Mehrwert und die Gefahr der Versicherheitlichung des Klimawandel-Diskurses fanden besondere Beachtung. Auf der einen Seite wurde darauf hingewiesen, dass die Versicherheitlichung von Themen wie zum Beispiel grenzüberschreitender Wassernutzung die wahrgenommene Bedrohung zwischen Ländern und Regionen steigern und so zu Problemen bei der Suche nach Lösungen und sogar zu Konflikten führen kann. Auf der anderen Seite stellten Teilnehmer fest, dass es hilfreich sei Klimaveränderungen als Sicherheitsrisiko darzustellen, um den politischen Druck zu erzeugen, der für die Durchführung weitreichender Aktivitäten notwendig sei. Als ein weiteres gemeinsames Thema wurden die komplexen gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Herausforderungen identifiziert. Dies zeigt sich etwa anhand der Zusammenhänge zwischen Wasser und Nahrungssicherheit, die sich deutlich in komplexen Krisen wie der Flut in Pakistan 2010 manifestiert hat.

Die Diskussion endete jedoch nicht bei der Analyse der Herausforderungen. Die Arbeitsgruppen entwickelten zahlreiche Vorschläge, wie Klimadiplomatie zukünftig gestaltet werden könnte und sollte. So seien sektorale Politiken und Institutionen erforderlich, die traditionelle, problemfeldbezogene und geografische Fokussierungen überwinden können. Für grenzüberschreitende Wasserkooperation beispielsweise bedeute dies, regionale politische Institutionen zu etablieren, die über ein weiter gefasstes Mandat und über einen breiteren Fokus verfügten als rein national fokussierte Einrichtungen. Auch für den Fall, dass klassische Diplomatie und regionale Kooperationen versagen, zum Beispiel weil Regierungen diese Bemühungen blockieren, entwickelten die Teilnehmer Alternativen. Hier wurden Ansätze informelle Diplomatie, Track II Initiativen und Kooperationen auf einer niedrigeren administrativen Ebene, wie zum Beispiel der Gemeindeebene, als mögliche Ansätze genannt.

Die Internetseite der Konferenz ist unter folgendem Link erreichbar: http://climatediplomacy.org/home/dok/43544.php

Weitere Informationen über die Initiative Klimawandel und Sicherheit des Auswärtigen Amtes finden Sie hier.

Foto: © Thomas Köhler/photothek

3 comments on “Ansätze der Klimadiplomatie auf dem Prüfstand

  1. Naturbach on at 00:42 said:

    Ich wusste gar nicht, dass das Ganze so kompliziert ist. Aber es ist interessant, Einblicke in die Funktionsweise des politischen Apparates zu erhalten.

  2. Mark on at 18:53 said:

    Hi,
    ich wusste auch nicht das es so schwer und kompliziert ist.
    Ich finde es auch wie Naturbach super interresant.

    Danke nochmal für den Beitrag.

    LG
    Mark

  3. Mark N. on at 14:55 said:

    Hi, da hast du eine super Einsicht in die Ansätze der Klimadiplomatie gebracht.
    Dein Blog kommt definitiv in meinen RSS Reader…

    Grüße aus dem kleinen Großkrotzenburg (Staudinger lässt Grüßen:))
    Mark N.

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